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Fritz Glamann (1899 bis 1969)   eine Persönlichkeit


Fritz Glamann ist den meisten älteren Wandsbekern heute noch als Organist an der Wandsbeker Kreuzkirche bekannt. Er war mein Musikvater. Ich habe ihm viel zu verdanken.

Als Stipendiat der Wandsbeker Kreuzkirche lernte ich Fritz Glamann 1955 als 14-jähriger Schüler kennen. Ich hatte bei ihm Klavier- und Orgelunterricht.
Jeden Dienstag fuhr ich mit meinem Fahrrad nach Gartenstadt "rüber", im Gepäck meine Noten und die Hoffnung, dass ich meine gemachten Hausaufgaben ordentlich vorspielen könnte.
Ich denke immer wieder gern daran zurück, wie der Klavierunterricht ablief. Neben mir am Klavier saß Fritz Glamann und lauschte geduldig meinem Spiel. Gelegentlich unterbrach er mich, setzte sich an seinen Flügel und sagte leise: "Hör mal, hier würde ich es so spielen".
War er zunächst für mich nur mein Klavierlehrer, so entstand in den Jahren ein freundschaftliches Verhältnis, getragen durch Vertrauen und menschlicher Nähe.
Als geschickter Pädagoge führte mich Fritz Glamann auch in die Musiktheorie und -geschichte ein.
So bekam ich jede Woche eine kleine kompositorische Aufgabe; z.B. schrieb er einen Kontrapunkt auf und entwickelte daraus seine Aufgabenstellung, die von Mal zu Mal verschiedene Schwerpunkte hatte.In der folgenden Woche spielte ich dann meine kleine Komposition vor. Und dann geschah es: Fritz Glamann setzte sich an seinen Flügel und wir spielten vierhändig. Jetzt zeigte der Meister seine großartige Fähigkeit zu improvisieren. Aus meiner kleinen Hausaufgabe wurde augenblicklich ein starker musikalischer Eindruck. Dies war für mich Bestätigung und Ansporn zugleich. Als besondere Ehre empfand ich es, dass ich als älterer Schüler für Fritz Glamann während der Urlaubszeit die Orgelvertretung im Gottesdienst übernehmen durfte. Als junger Mensch habe ich zuversichtlich diese Aufgabe angenommen, weil mein Lehrer es mir zutraute. Er war ein wirklicher Musikpädagoge!
Erst spät erfuhr ich von seinen Kompositionen und den öffentlichen Aufführungen in dem damaligen Hamburger Musikpalast. Irgendwann holte er während eines Gespräches eine Mappe mit alten Zeitungsausschnitten aus dem Regal und zeigte sie mir. Ein Lächeln ging über sein Gesicht. Bescheiden und leise wie er war, machte er nicht viel Aufsehen davon. Heute weiß ich, dass Fritz Glamann als junger begnadeter Mann eine große Karriere als Komponist begann, die mit den Kriegswirren zerschlagen wurde.
Für jeden Menschen sind bestimmte Erlebnisse im Leben weichenstellend. Für mich war es das Zusammentreffen mit meinem geschätzten Lehrer Fritz Glamann. Er gab mir den Schlüssel zur Musik.

Klaus Weidinger
Soltau, 18. Januar 2006


Einen Überblick über sein musikalisches Schaffen gibt es auf der Seite von
Edition Romana Hamburg


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